Begegnungen

Donnerstag, 1. Mai 2008

Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg...

Das erste Mal habe ich den 1. Mai nun also in einer Großstadt verbracht. Schön. So ruhig und friedlich irgendwie.

Geweckt wurde ich durch laut grölende Linke, die am Haus vorbeizogen in Richtung Gegendemo. Beim Frühstück schwirrten Hubschrauber am Himmel und von Ferne tönte unablässig das Martinshorn von Feuerwehr, Polizei, Rettung.

Als wir um 11 Uhr das Haus verließen war in der Ferne eine schwarze Rauchsäule zu sehen und wir wichen 2 heranrasenden Feuerwehrautos aus. Der Weg in den Stadtpark war danach aber friedlich was eventuell an den zahlreichen Polizeiabsperrungen gelegen haben mag.

Die Festwiese war leicht besiedelt und nachdem wir uns ein Plätzchen in der Sonne gesucht hatten kehrte endlich ein wenig Ruhe ein. Grillende, Frisbee- und Fußballspielende "Väter" tobten um uns herum. Von Weitem kamen die Martinshörner jedoch immer näher. Irgendwann waren wir umzingelt. Wasserwerfer kamen in Sichtweite, schwarzgekleidete Grüppchen fielen über die Wiese her.

Der Heimweg führte durch den inzwischen feiernden Zug der Gegendemonstranten, vorbei an gut gesicherten Polizeibeamten und gesperrten U-Bahn Stationen. Herrlich, so eine kleine Radtour durch unbekanntes Gebiet und Menschenmassen. Aber dis auf einen leichten Sonnenbrand ist mir auch nichts weiter passiert.

Schönen 1. Mai noch!

Freitag, 28. März 2008

Erinnerungen

Opa erzählt vom Krieg.
Das tut er selten und eigentlich immer nur in Bruchstücken. Doch dieses Mal sprudelt es nach Gesprächen über die liebe Verwandtschaft aus ihm heraus. Wir beginnen als er 7 oder 8 Jahre alt ist und das erste Mal mit der Kinderlandverschickung von Berlin aus "in den Urlaub" fährt. Nach Sonnenberg im Harz. Da war es schön, richtig idyllisch. Die zweite Reise führt irgendwo nach Tschechien. Da lernt er Skifahren. Auch ein toller Ausflug wäre das gewesen. Doch dann geht er als "Hitlers letzte Reserve" nach Ostpreußen. Dort kommt er bei den Eltern von Nachbarn von uns unter. Ein großer Gutshof war das. Neben seinem Dasein als Kindersoldat hat er dort vom Herrn des Hauses jagen gelernt. Das war das Einzige, was dort noch Spaß gebracht hätte.

Dann kommen die Russen und die Stimme stockt. Er springt nach Tschechien zurück wo er ein zweites Mal hinmuss. Diesmal ebenfalls als "Soldat" von 14 Jahren. Gleise bewachen, Amerikanische Kriegsgefangene bewachen. Bis die Russen auch hier ankommen und er sich auf einem Bauernhof versteckt. Dort kommt er einigermaßen über die Runden, bis er einen gravierenden Fehler macht und eines Tages auf das Klopfen an der Tür reagiert. Die Russen stehen draußen mit dem Gewehr im Anschlag. Sie zielen auf ihn doch trotzdem schafft er es irgendwie, ihnen zu entkommen.

Er will nicht mehr, will nur noch nach Hause. Nach Berlin. Zu Fuß macht er sich auf den Weg. Kommt bis nach Cottbus wo ihn Polen aufgreifen und er für kurze Zeit wieder in Gefangenschaft gerät. Erneut flieht er, nimmt sein Bündel und findet einen Zug auf dem er in der Lok bis kurz vor Berlin fahren kann. Er hätte ausgesehen wie ein Schornsteinfeger durch den ganzen Ruß.

An der Endstation erwischt er einen Bus, der ihn bis in die Stadt bringt. Plötzlich hat er Tränen in den Augen, wie alle, die in diesem Moment mit ihm am Tisch sitzeb. Der Hohenzollerndamm ist noch fast intakt. Doch als er in seine Straße mit seinem Haus einbiegt sind dort nur noch Trümmer. Alles umsonst, denkt er. Er trifft auf eine alte Frau, die ihn ermuntert die an die Hauswände gekritzelten Nachrichten zu lesen und plötzlich entdeckt er seine Mutter, die zusammen mit anderen Überlebenden in einem Keller Unterschlupf gefunden hat.

Die Geschichte geht noch ein Stück weiter. Die Tränen versiegen. Der angenehmere Teil der Erzählung folgt. Raus aus Berlin, in eine andere Stadt. Da, wo er heute immer noch ist. Und ich bin ihm dankbar, dass er sich für einen kurzen Moment geöffnet hat.

Montag, 22. Oktober 2007

Goudaflirt

Wurde heute an der Aldi Kasse darauf hingewiesen, dass mein Stück Gouda exakt denselben Preis und damit auch dasselbe Gewicht ("Aufs Milligramm genau!") wie das meines Hintermannes hatte. Ein wenig irritiert über diese Aussage drehte ich mich um und sah, wer zu dem Schälchen Salat, dem Stück Gouda und dem Dressing gehörte, das hinter meinem kleinen Einkauf auf dem Band lag. Typ Bankangestellter in der Mittagspause. Schätzungsweise mein Alter, halben Kopf größer, mit Hemd und Krawatte. "Mittagspause?" fragte ich nur, weil der Bank-Mann wohl irgendwie über das Stück Gouda ein wenig plaudern wollte. Er bejahte. Mein Einkauf wurde übers Band gezogen. "Ich stell mir das lieber selbst zusammen", entgegnete er. Während der Scanner meine Waren in die Kasse einpiepste schien er meine Lebensmittel zu mustern. "Das ist aber ein wenig viel für eine Mittagspause." Ich hatte ja auch keine Pause sondern frei. Ein paar weitere Gesprächsfetzen flogen umher bis ich bezahlt hatte. Dann wandte ich mich ab, um den Einkauf zu verstauen. "Einen schönen Tag noch", bekam ich im Vorbeigehen noch gewünscht. Danke gleichfalls.
Der Gouda kostet übrigens 2,08€

Dienstag, 2. Oktober 2007

In Hamburg lebten zwei Ameisen...

... Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee,
Da taten ihnen die Beine weh,
Und da verzichteten sie weise
Dann auf den letzten Teil der Reise.


Gestern Abend hatte ich ja Kultur. Jan Fedder liest aus Ringelnatz' "Kuttel Daddeldu". Kultur? Jan Fedder? Ein Aufschrei geht durch den Blog. Das passt doch gar nicht zusammen! Aber muss Kultur denn immer gleich trocken, ernst und sinnvoll sein?
Es begann mit den Ameisen und schon dort tobte der Saal, dessen Altersdurchschnitt wir doch ein wenig senken konnten. Zwischendurch gab es immer mal wieder eine lauthals ausgerufene Runde "Lüttje Lage" und Lästereien über die Ferres und die Herman. Es wurde gesungen, gelacht, gegröhlt und zwischendurch kam der gute Herr Fedder dann auch ab und zu wieder zurück zu den Texten, die er vorlesen wollte. Wie zum Beispiel den vom Bumerang:

War einmal ein Bumerang;
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum - noch stundenlang -
Wartete auf Bumerang.


Lange nicht mehr soviel Spaß gehabt.
Und wenn Jan demnächst mit pinker Cäppi herumläuft...unschuldig.

Freitag, 24. August 2007

Großes Schiff

Es ist schon ein imposanter Anblick wenn vor dem G&J Gebäudekomplex riesengroße Schiffsschornsteine langsam vorbeiziehen begleitet von einem imposanten Schiffshorn. Gestern Abend kam ich auf eben dieses Schauspiel zu, auf dem Weg zu den Landungsbrücken. Die Queen Mary verließ den Hafen. Leider so schnell, dass ich sie nicht mehr einholen konnte und nur noch das letzte Stück des Hecks erblickte und sie dann aus dem Hafen herausfahren sah. Begleitet von Tausenden Schaulustigen an den Landungsbrücken, Barkassen, kleinen Booten und einem wilden Getute.
War ein schöner Anblick, leider zu viele Menschen.

Donnerstag, 16. August 2007

Sprachproblem

"Kenn sie Alla? Is Wasa?" meint ein älterer Herr im Anzug zu mir, der offensichtlich weder der deutschen noch der englischen Sprache mächtig ist. Denn als ich ihm sage, dass ich ihn leider nicht verstehe, sagt er "Wo Alla? Irgendwo? Kennen?" Ich zucke die Schultern und frage "Do you speak English?" Doch stattdessen werde versucht er erneut mich irgendwas zu fragen und ich verstehe immerhin "Where the pupils go. Many! Trans, Sub!" Was auch immer das bedeuten soll.
Vielleicht suchte er die Alster? Das Wasser? Die Uni? Den Hauptbahnhof?

Sonntag, 12. August 2007

Kleider machen Leute

Ich bin bekannt dafür, immer mindestens eine Kamera dabei zu haben. Nur wenn es drauf ankommt ist genau diese nicht schnell genug greifbar, zu laut, zu auffällig.
Gestern saß mir in der Bahn die wieder auferstandene Jacky Kennedy gegenüber. Die Brille bedeckte die Stirn und die Wangenknochen. Ich habe in meinem Leben noch keine so große Sonnenbrille gesehen. Dazu die aufgetürmten braunen Haare und das passende Kostümchen. Ich habe versucht die Frau nicht entgeistert anzustarren. Schließlich toppte die Brille sogar Puck die Stubenfliege. Hoffentlich ist es mir gelungen.
Dann stand an der Ampel plötzlich etwas neben mir, dass nicht genau wußte ob es Punk, Gothic oder doch eher betuchte Dame sein wollte. Die Plateauschuhe waren beachtlich, die Spitzenleggings umschlossen die dürren Beine. Darüber ein schwarzes langes Kleid. Mein Blick wanderte vorsichtig weiter nach oben und entdeckte eine dekadente Perlenkette und einen tief ins Gesicht gezogenen eleganten Hut. Darunter das Gesicht einer Frau so um die sechzig.
Heute lief mir dann der Fitnessfreak über den Weg. Ich lag lesend auf meiner Decke am Elbstrand und wurde plötzlich geblendet von einer gold schimmernden 3/4 Leggins, goldenen Turnschuhe und braunen Stulpen. Diese Accesoires gehörten einem Mann, der dazu ein braunes Shirt und eine überdimensionale Sonnebrille trug. Dieses Mal habe ich hinterhergeschaut, weil ich nicht glauben konnte, dass jemand ernsthaft eine goldene Leggings anzieht.

Samstag, 14. Juli 2007

Der Sommer ist zurück

Hitze!
Ich beklage mich nicht. Schließlich bin ich ein Sommerkind.
Ich liebe den Sommer. Ich mag es, wenn die Sonne scheint. Zumal ich mit LSF 30, Ultra-Wasserfest-Sonnencreme eingecremt bin.
Doch diese stechende Sonne!
Trotz Elbstrand, extremen Fähren-Fahrtwind und Fußbad in der Elbe ist es anfangs kaum auszuhalten in der Sonne. Doch man gewöhnt sich irgendwann an alles. Den Sommer muss man ausnutzen, wenn er schonmal kurz vorbeikommt.
Dicke Wolken ziehen auf.
Es regnet nicht. Ein paar Tropfen fallen herunter. Nicht weiter erwähnenswert. Die Hitze bleibt. Doch beginnt allmählich der Durst immer stärker zu werden.
Oase?
Wo ist die nächste Oase? Ich komme mir vor wie in der Wüste. Durst, Sommer, Hitze. Trotzdem geht es mir irgendwie gut. Ich habe weder Blasen an den Füßen noch Sonnenbrand. Aber bis zur nächsten Quelle zieht die Speicherstadt doch eher nebensächlich an mir vorbei.
Die Rettung nahte.
Im vierten Stock gab es eine Pause. Kuchen, Katzen, Kaffee. Danach gleich wieder los. Verrückte Kerle auf tollkühnen Kisten ansehen. Qualmende Reifen, Lautes Motorendröhnen.
Was für ein Tag.
Ich habe keinen Sonnenbrand (nagut fast keinen), diverse vollgeknipste Filme und wieder nette Leute kennengelernt. Nun aber ausruhen, auftanken. Morgen ist auch noch Sommer.

Freitag, 13. Juli 2007

Hamburg ist groß

Und die Welt ist klein. Das sind wichtige Erkenntnisse, ohne die man im Leben nicht weiterkommt. Weitere wichtige Dinge habe ich gestern Abend gelernt:
  • Es ist möglich auszurechnen, wieviele Spiele 108 Spieler benötigen um im k.o. System einen Gewinner zu ermitteln. (Dafür braucht man einfach ein paar Zettel, ein paar Stifte und ein paar Guinness)
  • Die Erdbeere trägt ihre Samen außen.
  • Es gibt auch mathematische Kühe.
  • Die konsulin ist eine Perfektionistin.
  • Ich gehöre dem Hause Hufflepuff an.
  • Harry Potter ist ein vertracktes Buch.
  • Rechenrätsel kann man auch noch nachts um halb drei ohne große Mathekenntnisse lösen.
  • Der Michel sieht um 3:05h echt toll aus und gegen 4 Uhr geht die Sonne auf.
  • Manchmal ist der Zufall einfach der beste Freund.

Mittwoch, 27. Juni 2007

Beschränkter Bahnübergang

Und du stehst davor und hast es eilig, weil du zur nächsten Apotheke musst die Notdienst hat. Es fährt nicht ein Güterzug vorbei, auch nicht zwei. Nein es sind fünf. Und auf dem Rückweg, auf dem du es ebenfalls verdammt eilig hast, passieren vier Nahverkehrszüge die Strecke.
Die Bahn kommt...immer dann wenn man sie grad nicht gebrauchen kann.

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Virtuelle Heimat
Komm doch auch nach Hildenbüttel. Unsere kleine Stadt, die eine bessere Infrastruktur braucht und wo die Menschen gerne den ÖPNV nutzen!

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Am Hauptbahnhof haben...
Am Hauptbahnhof haben die extra so eine Zange, mit...
sibsch - 15. Mai, 08:13
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Meiner Mutter ist mal der Schuh beim Einsteigen in...
Sönke (anonym) - 14. Mai, 22:22
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Als ich noch klein war (also, so richtig klein... da...
Mermer (anonym) - 14. Mai, 20:17
Klar, wohl noch nie Disney's...
Klar, wohl noch nie Disney's Dornröschen gesehen,...
Mermer (anonym) - 14. Mai, 20:13

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