Frischer Fisch
...und dabei empfinde ich nur noch Schmerzen.
Ich hatte kein Wochenende und ich werde auch am nächsten Wochenende kein Wochenende haben. Nein. Denn ich schufte mir grad den Buckel krumm. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich sage nur: Kriechkeller, Höhe 1,40m. Gegen: graefin, Höhe 1,87m. Aber es wird noch schlimmer.
Die letzten drei Tage waren Sklavenarbeit vom Feinsten. Jeweils 8 Stunden wenn nicht sogar noch länger. Gefühlt waren es täglich eher 12 Stunden. Ich habe an allen drei Tagen die Putzarbeit für die weiß gefliesten sanitären Anlagen übernehmen müssen. War mehrmals in besagtem Keller unterwegs und habe mich mit Müll schleppen beschäftigt. Gegessen habe ich eigentlich nichts, oder viel zu wenig. Auch von Vorteil - irgendwie.
Jedenfalls hab ich keinen Bock mehr. Meine Füße tun mir weh und mein Rücken und ich habe Muskelkater in den Oberschenkeln und freue mich richtig darauf, dass ich morgen und Mittwoch und Donnerstag den ganzen Tag sitzen darf. Ich übernehme auch gerne sinnfreie Arbeiten. Alles besser als die Arbeit der letzten drei Tage.
Zu viele Touristen, zu viele Fischbrötchen, zu viel gegen laute Musik angeschrien. Viel erlebt, viel gearbeitet und viel Spaß gehabt.
Das Wochenende gehörte wieder ganz den Fischbrötchen, freiwillig aber gegen Bezahlung. Der Samstag zog sich relativ ruhig dahin, ging nach der Arbeit mit Minigolfspielen, Hallgalli fahren und sich nett unterhalten weiter und endete irgendwann gegen 2 Uhr nachts.
Der Sonntag begann um 10 Uhr und endete um 18 Uhr mit völliger Erschöpfung, schmerzendem Rücken und Knien. Wir haben an die 700 Kunden durchgeschleust in diesen 8 Stunden, laut gegen die benachbarte Musikbühne anbrüllen müssen und selten so viel gekichert und gelacht. Dass Kuchen aber auch immer nach unten fallen muss und man sich mit drei Leuten auf geschätzten 12m² permanent im Weg steht und umrennt.
Der Lohn war es wert, all diesen Stress mitzumachen. Heute ist mein freier Tag und ich werde nichts unternehmen, was irgendwie Stress bedeuten könnte. Außer vielleicht Sachen packen, einkaufen, eine ältere kranke Dame mit Essen zu versorgen, Bahn fahren, zum Friseur gehen, Kaffee trinken gehen, nach Hamburg zurückfahren...
Es ist heiß. Es ist verdammt heiß! Nicht mal die Klimaanlage kann dagegen ankämpfen. Draußen laufen die Touristen vorbei, vollbepackt mit Badeutensilien. Jeder zehnte fragt nach dem Weg zum Strand und jeder zehnte ist erstmal verwirrt, nachdem er die Wegbschreibung erhalten hat und die Info, dass es sicher zwanzig Minuten Fußmarsch werden. Und das mit dem ganzen Gepäck!
Für einen Sonntag ist es verdammt ruhig. Wir haben Zeit für eine Kaffeepause und können sogar alle drei was zum Mittag essen. Auch lästern lässt sich heute wunderbar. Man glaubt gar nicht, was für Kleidersünden in sechs Stunden an einem vorbeilaufen!
Ebenfalls sind heute unglaublich viele Sprachfehler unterwegs. Die einen nuscheln mir ihre Bestellung über den Tresen, bei den anderen verstehe ich den Dialekt rein gar nicht. Wieder andere sprechen eine Sprache, die mir unbekannt ist und deren Satzbau ich einfach in keine Sinn ergebende Reihenfolge setzen kann. Doch am Ende haben sie alle das, was sie wollten und wir um 19 Uhr auch endlich unsere Ruhe.
Erster Mai
Maifeiertag
Tag der Arbeit
...Tag der Touristen, des guten Wetters, des letzten Tages des deutschen Windsurfcup, Tag des Stresses, 8-Stunden Tag.
Ich sitze völlig geplättet auf meinem Sofa und möchte mich nicht mehr bewegen. Ich habe nicht einmal Lust aufzustehen, um mir den Fischgestank vom Körper zu waschen. In den 8 Stunden waren fast 700 Kunden da und die Schlange wurde erst kurz vor Feierabend mal so kurz, dass man das Ende sehen konnte. Ich habe gefühlte 10.000 Mal dieselben Fragen gestellt, meine Finger haben blind die Tasten auf der Kasse getroffen und selbst beim Wechselgeld rausgeben, musste ich schon gar nicht mehr richtig rechnen sondern nur noch die Zahlen ansehen. Alles Routine. Ein Wunder auch, dass ich keinen Krampf im Gesicht habe vom freundlichen Lächeln.
Der Tag in Kurzform:
Dirk: "….Na, was schätzt du?"
Tanja: "Höchstens fünf Minuten."
Dirk: "Quatsch, mindestens zehn Minuten!"
Er hebt eine Kaffeetasse auf, unter der seine Armbanduhr liegt. Ungläubig wirft er einen Blick darauf.
Dirk: "Tatsächlich! Erst fünf Minuten, verflucht noch mal. Da hat doch irgendwer den Zeiger am Ziffernblatt festgeklebt …wer war der Saboteur?"
Die Sonne scheint. Es ist warm. Der Frühling ruft: Geh raus, genieß das gute Wetter! Und das taten sie! Die Touristen, eine kleine Bevölkerungsgruppe, die bei gutem Wetter nicht mehr still sitzen kann und das große Bedürfnis hat, zu uns zu fahren. In Massen schoben sie sich heute am Wasser entlang, erwähnten in jedem zweiten Satz das tolle Wetter und kauften jeder mindestens zwei Brötchen. Drei Stunden lang habe ich versucht mitzuhalten. Doch der Brötchenverzehr stieg leider unproportional zur Brötchenherstellung, so dass ich irgendwann erschöpft meinen Posten aufgab und mich dem Verkauf widmete. Nach weiteren 2 1/2 Stunden neigten sich unsere Vorräte dem Ende, wir hatten mehrmals einen ebenfalls guten Appetit gewünscht bekommen und alle außer dem Frühstück noch nichts weiter gegessen. Schicksal. Am Ende blieben nur noch ein paar Aale übrig und verirrte Resttouristen die trotz leerem Tresen und putzenden Angestellten noch fragten, ob denn nichts mehr da wäre. Ich liebe Sonntage.
Leute, es ist wieder soweit! Die Frau Gräfin geht bald wieder Fisch verkaufen. Schon jetzt checke ich im Netz den Wetterbericht für Sonntag, denn bei Regen hab ich natürlich keine Arbeit. Wer will schon bei Wolkenbruch und Sturm als Tourist zu uns kommen und sich ein Fischbrötchen kaufen? Nur bei Sonne steppt der Bär. Warum er steppt, weiß ich allerdings auch nach 26 Jahren, die ich nun in diesem Ort lebe, immer noch nicht so wirklich.
Am Fisch kann es nicht liegen. Oder doch? Am Wasser vielleicht. Aber im Winter ist das zu nichts zu gebrauchen, denn Bötchen fahren ist nur von April bis Oktober erlaubt.
Muss wohl doch am Fisch liegen. Oder an der schönen Umgebung? Immerhin führt der Rundwanderweg einmal ums Meer herum, rundherum eben. Und man kann sowohl rechts rum als auch linksrum mit dem Rad drumherum fahren. Ist aber im Winter auch nicht die richtige Freizeitbeschäftigung.
Also dann doch der Fisch. Schließlich hab ich nicht umsonst schon so lange diesen Aushilfsjob und kenne alle Brötchen mit Namen. Und alle deutschen Dialekte und Seniorenreisegruppen so langsam auch. Ja man erlebt schon was mit den Touristen. Und am Sonntag soll die Sonne scheinen. Wenn das mal nicht ein schöner Tag wird.
Wie gut, dass es kein Geruchsblog gibt. Meine Finger stinken nach Aal, frisch geräuchert. Ich weiß nicht wieviele gestern und heute durch meine Hände gegangen sind, wievielen ich das Auge ausgepiekt hab beim Versuch ein Preisschild einzuziehen. Ich weiß nur: Der Geruch bleibt sicher noch 1-2 Tage ebenso die nette bräunlich/gelbe Färbung der Hände. Ich seh aus wie ein Kettenraucher - zumindest an den Fingern. Weihnachtsversand ist schon irgendwie purer Stress.
Tja und dann fiel mir heute einfach nur
*das hier* zu dem Thema ein. Viel Spaß.
Es gibt Tage an denen weiß man nicht, ob man sie gut oder schlecht finden soll. Heute vormittag fand ich meinen Tag noch einigermaßen okay, denn es hatte noch niemand angerufen und mir gesagt, dass ich heute nicht arbeiten muss. Ja, ich freute mich darauf, mal wieder Fisch verkaufen zu dürfen! Schließlich brauche ich zum einen das Geld und zum anderen hatte ich nichts dagegen mal wieder ein wenig was zu tun.
Warm eingepackt begann ich um 12 Uhr mit meinem Job und der Tag begann langsam schlechter zu werden. Ich bin es zwar gewohnt, außerhalb der Saison allein in der Bude zu stehen, aber nicht wenn an einem Sonntag im November gute 250 Kunden aufkreuzen! Genau dann beginnt der Job zur Tortur zu werden, da man nicht mehr in der Lage ist genügend "Nachschub" herzustellen. Die Kunden standen Schlange und ich hatte alle Hände voll zu tun und musste mich auch noch mit nervigen Touristen rumschlagen.
Eine Viertelstunde vor Ladenschluss war dann auch alles ausverkauft und ich konnte dicht machen. Was für ein Tag! Doch nach dem saubermachen konnte ich leider noch lange nicht nach Hause, denn die Kollegin von der zweiten Bude war schon früher gegangen und ich durfte noch eine weiter Bude putzen. Nach getaner Arbeit wartete wenigstens Geld auf mich. Immerhin ein direkter Lohn für die ganze Mühe!
Etwas an dem Bild ist falsch: Es ist Sonntag, ich sitze zu Hause, die Sonne scheint. Ein Anruf, Absage.
Es ist SONNTAG, die SONNE scheint. Ich versteh die Welt nicht mehr, obwohl Oktober ist.
ABM Maßnahme: Keine Kunden also Aale filletieren.
Paul durfte als letztes, weil er ja auch schon mindestens 10 Jahre alt war bevor er dann, naja, ihr wisst schon, GETÖTET wurde. Er brachte stolze 1,5kg auf die Waage und es hätte ihn ja auch jemand für 45,70€ kaufen können. Wollte aber niemand. Spielen konnte man mit ihm auch nicht mehr, denn mit Essen spielt man ja nicht. Also:
Tschüß Paul!