Was der
Herr Baron über die kleine Insel da drüben über dem Ärmelkanal erzählt kann ich schon lange. Schließlich hatte ich das große Vergnügen, für ein halbes Jahr in "good old Britain" leben zu dürfen. Damals noch ohne weblog, aber mit mehr bloggenswertem Material, als mir hier Speicherplatz zur Verfügung gestanden hätte. Und wenn ich die Erlebnisse so lese kommt die Erinnerung wieder hoch...
Beispielsweise an die Unterkunft die wir damals bezogen.
Man stelle sich 500 ausländische Studenten vor, die innerhalb von drei Tagen eine Unterkunft in Bristol finden müssen. Alle bekommen dieselben Adressen, alle bekommen denselben Stapel an Telefonnummern. Wer zuerst kommt, wohnt zuerst. Es ging ein wenig zu wie bei der Vergabe der Castingstartnummern bei DSDS (Wahlweise auch Popstars). Am Ende wohnten vier Hannoveraner und eine Britin, die fast perfekt Deutsch sprach, in einer 300 Pfund pro Zimmer Wohnung im Zentrum der Stadt. Und das auch nur, weil wir die ersten vor Ort waren und vor allen anderen "UNSERE WOHNUNG" geschrieen haben. Aber wie heißt es so schön: Aus Fehlern lernt man, aber dazu mehr in weiteren Beiträgen.
Da bezogen wir also unsere Bleibe, fünf Zimmer, ein Wohnzimmer, ein Bad, eine Küche, ein leeres Zimmer. Es handelte sich dabei um ein fast typisches englisches Bad. Klein, zugiges Fenster, Strippe statt Lichtschalter, groß genug für eine Person, verschimmelte Bastjalousie. Einziger unbritischer Aspekt: Es gab einen Heißwasserboiler über dem Waschbecken aus dem das Wasser nicht bloß heiß oder kalt floss, sondern bei dem sich die Temperatur regeln ließ! Dafür beneideten uns alle anderen Studenten. Das Wort "Mischbatterie" scheint dem Briten an sich nicht nur ein Fremdwort zu sein, vielleicht hält er es auch für eine verteufelte Erfindung. In keiner anderen Unterkunft begegnete uns in den sechs Monaten ein weiterer regelbarer Wasseranschluss. Und so freuten wir uns jeden Tag wieder über diese eine "continental" Errungenschaft, die wir zusammen mit unserer Wohnung ergattert hatten und fragten uns, wie die anderen Studenten es schafften, warmes oder lauwarmes Wasser "herzustellen" ohne sich dabei weder zu verbrühen noch Eiszapfen an den Fingern zu bekommen. Denn der normale britische Wasserhahn besteht in der Regel ja aus zwei Hähnen die in einer Entfernung von gut 10 bis 15 cm auf dem Waschbecken angebracht sind und bei denen somit auch nie das Wasser ineinander fließt.